Sonntag, 16. November 2014

Filmkritik zu Fitzeks "Das Kind"

 von Kirsten Riehl

Wie verbringt man einen verregneten Novembersonntagnachmittag, der sich starrsinnig und über Stunden in eine depressiv graue Wolkendecke hüllt? Mit einer leckeren Pilzpfanne, danach Espresso und Zitronenkuchen, dann Kerzenlicht und Capuccino und .... mit einem guten Film. Da das TV-Gerät offenbar mit dem deprimierenden Novembersonntagnachmittag paktierte und sich einer Erheiterung der Fernsehzuschauergemüte verweigerte, legten wir einen Fitzek-Film von der Konserve ein - "Das Kind". Ich hatte schon vor zwei Jahren "Der Seelenbrecher" (2008) gelesen und konnte mich der allgemeinen Euphorie nicht anschließen. Tatort ist eine abgelegene psychiatrische Klinik (ja sehr einfallsreich!), und die potenziellen Opfer sind mit dem unbekannten Täter dort eingeschlossen. Dieses Null-Acht-Fünfzehn-Setting lässt dann ein junges Leben nach der anderen umkommen, jenes durch Waffengewalt, das der Leserin durch Langeweile. Ein haarsträubendes Ende mit einer völlig unglaubwürdigen Auflösung macht das Geschreibsel komplett.

So heute nun also mal einen Fitzek in Filmform. Eric Roberts spiet den Staranwalt Robert Stern (wow - der Autor liebt das kunstvolle Jonglieren mit metaphorischen Namen und setzt noch einen drauf: der Staranwalt begegnet Carina Freitag, die ihren Robinson aus der Einsamkeit hinter der glanzvollen Fassade aus Luxus-Haus und teurem Auto erlöst). Dieter Hallervorden gibt den verrückten Pädophilen und Ben Becker den Ex-Porno-Darsteller. Dann ist da noch das titelgebende Kind - Simon, ein Zehnjähriger, der den Staranwalt Stern als Verteidiger braucht. Simon ist todkrank und davon überzeugt, vor fünfzehn Jahren Menschen getötet zu habenn. Ja und dann gibt es ein verrottetes Skelett, einen korrupten Polizisten, der kinoreif seinen Tod vortäuscht, aber ehrlich gesagt, weiß man jetzt nicht so recht, warum er das tut ... anscheinend um den Staranwalt hinters Licht zu führen, doch so richtig ergibt das keinen Sinn. Dann ist da noch ein geheimnisvoller Kinderschänderring, den es gilt, auffliegen zu lassen. Puh .... wird einem ganz schwindelig von so viel abgegriffenen Klischees, die sich hetzen wie Spulwürmer im Einheitsbrei. Die Figuren bleiben blass und die Geschichte wirr. Zum Schluss gibt es im Schnellverfahren noch eine pseudowisenschaftliche Erklärung für Simons wahnhafte Überzeugeungen (wir erinnern uns: er dachte, ja ja ja ... das mit den Morden vor fünfzehn Jahren )

Was mich nun so an dem Film ärgert? Die vergeudete Zeit? Das verschwendete Geld für die DVD? Nein. Die Zeit hätten wir des Wetters wegen nicht mit Ausflügen verbracht, und die DVD war schon für weniger als sieben Euro auf dem Ramschtisch gelandet. Der lustige Hallervorden als Perversling? Zumindest unglaubwürdig besetzt. Fitzek bedient sich reichlich bei Hollywood-Filmen, als da wären dunkle Kellerräume, falsche Fährten und Opfer, die aber dann doch Täter sind, ein Quentchen Esoterik, ein bisschen Küchenpsychologie, ein wenig Übersinnliches, ein paar Bibelsprüchlein hier und da eingestreut für den religiösen Touch. Das macht er aber so schlecht, dass man es kaum ertragen kann. Er schmeißt sämtliche Klischees in einen Topf, gibt eine Prise aktuelles öffentliches Thema hinzu (das da wäre Kindesmissbrauch), rührt kräftig um und präsentiert einen Mittelmaß-Triller, der einen gähnend und leicht verwirrt ob des abstrusen Endes zurücklässt.

So und nun die Antwort auf meine nicht rhetorische Frage, was mich eigentlich geärgert hat: Das Thema Pädophilie scheint sich wunderbar zu eignen, um zu schockieren und Spannung zu erzeugen. Die Täter sind völlig überkandidelte Gestalten, die an einen Zirkusclown erinnern, der vom lustigen Gewerbe ins gruselige gewechselt hat. Pädophile erkennt man sofort, denn sie tragen Bademäntel und benehmen sich komisch. Eine so auffällige, aus dem Rahmen fallende und verrückte Persönlichkeit bietet sich nicht an, einen solchen Menschen im eigenen Umfeld zu vermuten. Pädophile sind Exoten, sie leben nicht unter uns, sie leben in gruseligen Villen, in denen sie Kinder gefangen halten.

Meine Bewertung? Das ist meine Bewertung: Schlimm genug, wenn man nichts vom Schreiben versteht und seine Ideen aus gängigen Filmen bezieht, aber das Thema Kindesmissbrauch sollte nicht missbraucht werden, um B-Klasse-Thrillerchen zu schreiben.

Ausschnitt aus Anette Kannenbergs Lesung

von Kueperpunk Korhonen


Auch diesmal Dank an Clairediluna Chevalier für den Mitschnitt von Audio- und Videomaterial!

Ausschnitt aus Marcus Hammerschmitts Lesung

von Kueperpunk Korhonen
Dank für das Audio- und Videomaterial an Clairediluna Chevalier

Samstag, 15. November 2014

6. Dezember: Jens Eggert & Dorothea Stiller

von Kueperpunk Korhonen


Jens Eggert wird ab 20 Uhr auf der postapokalyptischen Lesebühne seines Kollegen Jan-Tobias Kitzel  seine Dystopie "Bad Medicine" vorstellen. Ich bin übrigens ziemlich begeistert darüber, dass Jan-Tobias uns dafür sein Hauptquartier in der virtuellen Welt zur Verfügung stellt.



Und ab 21 Uhr wird Dorothea Stiller in SL Stuttgart aus ihrem heiteren (und ungeachtet des Titels völlig unbedenklichen) Roman "Conny und die Sache mit dem Hausfrauenporno" lesen. Das Bühnenbild stammt diesmal wieder von Clairediluna Chevalier.

Mittwoch, 12. November 2014

15. November - Marcus Hammerschmitt & Anette Kannenberg

von Kueperpunk Korhonen

Marcus Hammerschmitt wird am Samstag, dem 15. November ab 20 Uhr seinen neuen Roman "H-Null Ein Deutschlandmärchen" bei uns vorstellen. Natürlich live.


Anette Kannenberg wird ebenfalls am Samstag, dem 15. November ab 21.15 im SL  Planetarium aus ihrem Roman "Das Mondmalheur" vortragen. 

Mittwoch, 5. November 2014

Dienstag, 4. November 2014