Mittwoch, 15. Juli 2009

BRENNENDE BUCHSTABEN

von Zauselina Rieko


Das Zedler Universallexicon

Das Zedler Universal-Lexicon entstand zwischen 1732 und 1754 und umfasst 64 Bände. Der komplette Titel lautet Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste . In der Kurzform heißt es heute aber allgemein nur "Zedler". Der Buchhändler und Verleger Johann Heinrich Zedler(1706–1751) hat das Lexikon veröffentlicht. Die einzelnen Mitarbeiter sind nicht namentlich aufgefürt. Heute weiß man, dass große Teile aus anderen Lexika abgeschrieben oder Übersetzungen sind, aber im 18. Jahrhundert gab es kein copyright, kein Urheberrecht. Ein so umfassendes Werk, das den Anspruch hatte, das gesamte Wissen und die wissenschaftlichen Erkenntnisse seiner Zeit abzubilden, musste andere Quellen heran ziehen. Heutzutage entsteht kein wissenschaftliches Werk ohne Bezugnahme auf andere Veröffentlichungen; nur dass diese anderen Werke namentlich genannt werden müssen.

Der Zedler war Namensgeber für die BRENNENDEN BUCHSTABEN. Hier ein Auszug aus dem vierten Band, Seite 1252:
Brennende Buchstaben, litterae ardentes, werden in der Feuer-Wercker-Kunst Buchstaben genennet, die von einem Zeuge zubereitet werden, der langsam brennet, wovon die Flamme die Buchstaben vorstellet. Ihre Construction verhaelt sich folgender Massen. In ein abgehobeltes viereckiges Bret, graebet man die Buchstaben, so vorgestellt werden sollen, auf 1/4 Zoll tief ein. An die Seiten dieser Vertieffungen werden in einer geringen Weite von einander eiserne Naegel eingeschlagen; in die Vertiefungen selbst aber wird Baum-Wolle eingelegt und mit Schweffel überzogen, auch die Zwischen-Raeume mit einer Masse, so aus Mehl-Pulver und spiritu vini zubereitet wird, ausgefüllet. Der obere Schweffel wird etwas weggeraeumet und an dessen Statt Mehl-Pulver hingethan: worauf denn die ganze Composition mit Tragacanth, so in spiritu vini solviret worden ist, überzogen wird. Wenn dieses geschehen, und die Buchstaben sind feuchte genug, so wird um gedachte Naegel quer ueber abgeglueter Drat gelegt, und die Buchstaben alsdenn von neuem, mit einer Masse von Mehl-Pulver und spiritu vini ueberzogen. Endlich leimet man Papier daran, so sind die Buchstaben fertig; und werden die solcher Gestalt zubereiteten Buchstaben in blauem Feuer brennen. Die Compositiones variiren hierinnen, nachdem man die Buchstaben in andern Feuer will brennen lassen; ... Man pfleget die brennenden Buchstaben bei Feuer-Wercken zu gebrauchen, wenn man die Namen hoher Personen oder auch die Ueberschriften derer Sinnbilder will brennen lassen.
Kommentar veröffentlichen