Donnerstag, 23. Juli 2009

copyright

Urheberrecht, geistiges Eigentum oder neudeutsch schlicht Copyright genannt - gab es das immer schon? Das eine ist genau genommen nicht einfach die Übersetzung des anderen. Copyright und Urheberrecht sind in Details verschieden und beziehen sich auf den deutschen / europäischen oder angloamerikanischen Raum. In Deutschland entstehen Urheberrechte auf ein Werk automatisch mit dessen Erschaffung, auch wenn kein Urheberrecht ausdrücklich vermerkt ist.
Die Idee eines Urheberrechts ist ein relativ neues Phänomen. Ein Blick in die Geschichte lehrt, dass ein solcher Gedanke in früheren Jahrhunderten als völlig unsinnig begriffen worden wäre. Antike Autoren mussten sich immer auf die Werke anderer Autoren beziehen, um beweisen zu könne, dass ihre Ideen und Erkenntnisse keine Erfindungen waren. Sie fügten ihren eigenen Werken ganze Passagen anderer Autoren bei, nannten diese Autoren auch namentlich.
Die ersten Christen sahen sich dem Vorwurf gegenüber, eine neue Religion erschaffen zu haben ohne auf Traditionen Bezug nehmen zu können, sprich: Ein geistiger Führer (Christus) hatte eine völlig neue Idee ohne Wurzeln ins Leben gerufen. Dies wurde als Angriff auf den römischen Staat begriffen. Das Judentum war im Römischen Reich geduldete Religion, weil es sich auf Jahrhunderte alte Traditionen berufen konnte - im Gegensatz zum neu entstandenen Christentum.
Martin Luther verwendete große Mühen darauf zu beweisen, dass seine Religion keine newe opinion, eine neuartige Überzeugung, war. Das galt als aus der Luft gegriffene Erfindung. Er musste beweisen, dass er auf Traditionen baute, die Heilige Schrift als Grundlage benutzte, keine Philosophie ohne Bezug zu anerkannten und früheren Gelehrten in die Welt gesetzt hatte.
Die Dichter des Mittelalters haben immer die Texte anderer Autoren mitverwendet und deren Erzählfäden aufgenommen, um eine Geschichte weiter zu schreiben. Niemand wäre auf die Idee gekommen, "seine" Geschichte als einzigartig und neu zu bezeichnen. Das wäre einem Prädikat "unglaubwürdig" oder "minderwertig" gleich gekommen. Man begriff sich im Unterschied zu heute viel mehr als Teil einer Art Gemeinschaft, einer Gemeinschaft von Schreibern, unabhängig davon, ob diese verstorben waren oder noch lebten. Von vielen (auch sehr bedeutsamen) Werken kennen wir die Autoren gar nicht, weil sie es für unwichtig hielten, sich namentlich zu erkennen zu geben - das Werk sollte im Vordergrund stehen, nicht der Name eines Schreibers, denn das Werk war nur ein Weiterschreiben bereits vorhandener Werke.
Mit der Weiterentwicklung der Idee von einem Individuum mit Persönlichkeitsrechten ist auch die Idee von einem Recht an immateriellen Gütern aufgekommen.
Dennoch funktioniert auch heute noch keine wissenschaftliche Forschung ohne Bezugnahme auf andere Wissenschaftler(innen).Immer sind in wissenschaftlichen Werken Verweise auf andere Forschungsergebnisse und Autoren zu finden.

Dies ist kein Plädoyer dafür, das Urheberrecht ohne neu definierten Nachfolger abzuschaffen, aber es scheint, als stünden wir nicht an der Schwelle zu einem Umdenken, sondern als sei dieses Umdenken bereits im Gange. Das Internet hat jetzt schon völlig neue Möglichkeiten eröffnet und damit alte Urheberrechtsideen aus den Angeln gehoben. Die allgemeine Akzeptanz der bisherigen Gesetze ist nicht hoch, ein Schuldbewusstsein beim Kopieren und Herunterladen geschützter Bilder, Musik oder Texte so gut wie gar nicht vorhanden. Und vor allem scheint es, als kämen die bisherigen Gesetze auch nicht wirklich den Kunst- und Literaturschaffenden selber zugute, sondern eher dahinter stehenden Geschäftsleuten, die selber kein geistiges Eigentum erschaffen, sich als Rechtewahrer der Künstler(innen) darstellen, es aber möglicherweise gar nicht sind.



Zauselina Rieko
Kommentar veröffentlichen