Montag, 27. Juli 2009

Der Apfelbaum - Daphne du Maurier

von Zauselina Rieko



Der Apfelbaum

Die kleine Erzählung beginnt harmlos. Ein Mann ist kurz nach dem Tod der Ehefrau erleichtert, sein eigenes Leben leben zu können, ohne von dem nervigen Genörgel seiner Frau gestört zu werden. Seine Frau war eine stets leicht deprimierte Hausfrau, die mit Ordentlichkeit und Putzfimmel das Haus sauber gehalten hat. Mit ihrem dauernd leidenden Gesichtsausdruck und vorwurfsvollen Ton in der Stimme hat sie es immer geschafft, ihrem Mann ein schlechtes Gewissen zu bereiten. So ist er nun erleichtert, als sie ihn nicht mehr stören kann in seiner Beschaulichkeit und Ruhe.

Es könnte alles perfekt sein, aber da nimmt er plötzlich im Garten einen alten Apfelbaum wahr. Der hat dort eigentlich immer schon gestanden. Er ist scheinbar fast abgestorben. Sein schwarzer Stamm und die schwarzen Äste sehen aber irgendwie bedrohlich aus.

Im Laufe der Erzählung nimmt dieser Apfelbaum immer mehr bedrohliche Züge an. Der Leser hingegen weiß die ganze Zeit nicht, ob die Bedrohung nun tatsächlich besteht oder nur im Kopf des Mannes. Alles könnte immer eine ganz natürliche Erklärung haben oder eine unheimliche Bedrohung sein.

Der Baum wird zum Spiegelbild des Gewissens. Der Mann hat Fehler begangen, und die erfährt der Leser aber nur unterschwellig; dazu muss man zwischen den Zeilen lesen. Der alte Apfelbaum mahnt an die begangenen Fehler, die nach dem Tod der Frau auch nicht mehr in Ordnung gebracht werden können. Der knorrige, vertrocknete Baum ist das Spiegelbild für die vertrocknete Liebe.

Das Grauen im Alltäglichen und das Irreale inmitten der Realität - du Maurier versteht es wie keine Andere, subtilen Horror zu erzeugen.

Kurzbiografie Daphne Du Maurier

Daphne Du Maurier (1907-1989) entstammt einer Familie von Schriftstellern und Künstlern, wuchs in London und Paris auf und begann 1928 mit Feuilletons und Kurzgeschichten ihre schriftstellerische Tätigkeit. Für ihre Verdienste als Schriftstellerin (ihre weit über 20 Romane, historischen Biographien und Novellen-Sammlungen sind in Millionenauflagen in der ganzen Welt verbreitet) verlieh die englische Königin Daphne Du Maurier 1969 den Titel »Dame«.

Sie hatte 3 Kinder mit dem General Frederick Browning.

Berühmt sind vor allem "Gasthaus Jamaica", "Rebecca“, und "Die Vögel", verfilmt von Alfred Hitchcock, sowie "Don´t look now" (dt. "Dreh Dich nicht um!"), 1973 von Nicholas Roeg mit Donald Sutherland und Julie Christie verfilmt, der in Deutschland ein Jahr später unter dem Titel "Wenn die Gondeln Trauer tragen" Premiere hatte.

Verlag Heinrich und Hahn, 105 Seiten, ISBN-10: 3865970311, 16,90 € (gebundene Ausgabe)
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