Dienstag, 14. Juli 2009

Apokalypse

von Zauselina Rieko

Ich mag apokalyptische Literatur, apokalyptische Regionen in Second Life, und hier habe ich mal ein nettes Filmchen zum Thema gefunden. Am besten ist die fröhliche Musik, mit der die Weltenzerstörung unterlegt wird.
Passend dazu ein Gedichtauszug aus dem Gedicht Das Jüngste Gericht von der ersten Frau, die in deutscher Sprache geschrieben hat. Ava lebte vermutlich von 1060 bis 1127, hatte zwei Söhne und lebte nach dem Tod ihres Mannes in einem Kloster. Das Gedicht ist in Mittelhochdeutsch verfasst, aber ich stell auch mal eine Übersetzung ein.

4) Am dritten tage, wie ich vernommen habe,
so wird abfließen von der erde, das wasser der berge.
6) Am vierten tage erhebt sich die klage
so hebt sich vom grunde fische und meerestiere.
15)Am dreizehnten tage wird es niemand wohl ergehen.
da tun sich die gräber auf, die gebeine machen sich hinaus.

Auch im muspili, einem in Althochdeutsch verfassten Gedicht im Stabreim (Reim nicht am Ende der Zeile, sondern gleiche Anfangsbuchstaben, wie es in der germanischen Dichtung üblich war), ist viel von Gericht und Vernichtung die Rede. Die Bedeutung des Wortes muspili ist nicht ganz klar, könnte aber "Weltenbrand" oder "Weltuntergang" heißen. Der/die Verfasser/in ist unbekannt. Es wurde nur zufällig entdeckt: Es steht als Schmiererei in einer lateinischen Handschrift, war also nie zur Veröffentlichung bestimmt. Entstanden ist es im 9. Jahrhundert. Germanische Traditionen fließen ein, es ist aber christlich überformt. Anfang und Ende sind verloren gegangen.

Zeilen 50 bis 54:
Wenn das Blut des Elias auf die Erde träuft,
so entbrennen die Berge, kein Baum bleibt stehen,
keiner auf Erden. Die Wasser vertrocknen,
das Moor verschlingt sich, es schwelt im Feuer der Himmel,
es fällt der Mond, der Erdkreis brennt.

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