Freitag, 31. Juli 2009

Worte, Wörter und Vokabeln (Teil II)

von Zauselina Rieko


Wortpatenschaft
Was hat Billy mit Einrichtungskompetenz zu tun? (Ihr erinnert euch? Billy, die Bücherbude? IKEA-Regal?) Nun, steht man nicht auf Billy, mag man denken: Nichts. Steht man auf Billy, mag man eher meinen: Ja wenn einer einrichtungskompetent ist, dann der Typ von IKEA. Nö, ganz falsch. IKEA hat nämlich eine Patenschaft übernommen. Ja wie jetzt? Etwa für Billy, das arme Waisenkind aus Indien? Nein, für das Wort „Einrichtungskompetenz“. Der Verein deutsche Sprache VdS hat u.a. in Zusammenarbeit mit der Universität Ilmenau Überlegungen angestellt, wie man die deutsche Sprache schützen kann. Nach dem Motto: Jeder Pate beschirmt sein Wort, alle Paten die ganze Sprache, soll es jedem Menschen ermöglicht werden, sich ein Lieblingswort auszusuchen und dafür Pate / Patin zu werden. So ist IKEA also zur Einrichtungskompetenz gekommen. 15 € kostet der Spaß, sich mit seinem Wort und seinem Namen auf der Seite der VdS registrieren zu lassen. Dafür darf man sich in dem Bewusstsein sonnen, ein Wortbeschützer zu sein. Übrigens: Patenschaften lassen sich auch verschenken. Die Brennenden Buchstaben meinen: Gute Idee; vor allem für Leute, die schon alles haben. So ein Wort nimmt auch nicht viel Platz weg im Schrank, in der Kommode oder im Billy.
Ach ja – neue Wörter vorschlagen geht auch. Wenn du dein Lieblingswort nicht findest, einfach auf der Seite des VdS einsenden. Da gibt´s immer noch so lauschige Wörtchen wie Weltenachse oder Lustbarkeit. Mein garstig war leider schon vergeben. Vielleicht nehme ich ja ausflippen. War mal ein unheimlich angesagtes Wort in der 70ern. Entlockt heutigen Jugendlichen Lacher.
http://www.wortpatenschaft.de/


Wörter, die die Welt nicht braucht

Die Brennenden Buchstaben meinen: So was gibt´s, so was sollte es nicht geben. Es sind Wörter in Umlauf, die für diese Welt verzichtbar wären. Das soll jetzt und hier für die deutsche Sprache gelten. Denn in einer anderen Sprache kann dasselbe Wort durchaus Sinn machen. Ich fange mal mit meinen drei persönlichen Favoriten an:

1) Der Backshop
Was bitte schön ist ein Backshop? Und wie spreche ich ihn aus? [bäckschopp] oder doch [backschopp] ? Bleibe ich konsequent bei der englischen Version, hieße es [bäckschopp]. Dann wäre es Folgendes: Also shop für Laden ist klar. back heißt „Hinterseite“, „Rückseite“, „Kehrseite“. Dann kommt dabei ein Hinterseitenladen, ein Rückseitenladen, ein Kehrseitenladen heraus. Was verkauft man da? Kehricht? Kehrbesen? Nützliches für den Hintern? Vielleicht Hämorridensalbe? Oder hat man gar an die back alley, die finstere Seitengasse gedacht, also handelt es sich um einen finsteren Seitenladen oder einen finsteren Hinterhofladen, vielleicht für illegale Ware wie Waffen oder Drogen? Halten die sich immer eine Hintertüre auf, weil die Ware so schlecht ist und sie fürchten, jeden Augenblick könne die in Horden zusammengerottete, mit Mistgabeln und Fackeln bewaffnete Kundschaft einfallen und ihr Geld zurückverlangen?
Oder ist eher das Verb to back gemeint? To back für "zurücksetzen" oder "finanziell unterstützen" oder "befürworten". Bekomme ich gar finanzielle Unterstützung in einem solchen Laden? Na da werde ich dann öfters einkaufen! Oder befürworten die Verkäuferinnen meine Wahl der Brotsorte? Oder fühlen sie sich zurückgesetzt, wenn ich zu wenig kaufe?

2) Der Bodybag
Die Briten verstehen darunter einen Leichensack. Die Deutschen haben daraus eine Bezeichnung für eine Tasche gemacht, die nah am Körper getragen wird, aber im Gegensatz zum Rucksack nur einen Trageriemen besitzt. Besonders lustig wird´s dann, wenn Bodybags mit Extra-Handytasche angepriesen werden. Da kann ich dann auf dem Friedhof über den Tod hinaus mit meinem Liebsten in Kontakt bleiben. Eigentlich klasse, oder ?


3) Kids
Das Englische bezeichnet damit eine kleine Ziege, ein Kind, eine Göre, eine(n) Jugendliche(n). So weit, so gut. Hat seine Berechtigung. Im Englischen! Aber im Deutschen? Wer benutzt dieses Wort? Kinder? Jugendliche? Nein. Uncool! Das benutzen Leute, die nicht nur Gruftie, also schon mindestens 30 Jahre alt sind, sondern zudem auch noch durch eine pseudo-jugendliche Sprache die Anbiederung an die Generation 20 minus sucht. Wirkt ziemlich albern. Wie gesagt: Das trifft auf den deutschen Sprachgebrauch zu. Also die Welt braucht das „deutsche“ Kid nicht. Ihr, die ihr meint jung geblieben zu sein, im Herzen vielleicht, oder im Hirn, oder im großen Zeh, nehmt zur Kenntnis: Ihr seid nicht jung. Ihr seid oller als ihr es euch vorstellt. Und: Jeder – mit Ausnahme von euch selbst – weiß das. Warum weiß das jeder? Weil ihr das uncoole Wort „Kid“ benutzt.

So damit wäre ich am Ende meiner Favoritenliste. Wer diese Liste der Wörter, die die Welt nicht braucht, erweitern möchte, schicke bitte seinen Vorschlag (oder Vorschläge) mit kurzer Begründung an die BB. Preise? Ja … wenn ich in den nächsten Wochen sechs Richtige im Lotto habe, spendiere ich eine Reise nach Jerusalem. Wenn nicht, dann gibt´s Folgendes:
I. Preis: Ruhm und Ehre für die Rettung der deutschen Sprache und ihrer Bewahrung vor Wörtern, die die Welt nicht braucht.
II. Preis: Das gute Gefühl, die deutsche Sprache vor Wörtern, die die Welt nicht braucht, gerettet zu haben.
III. Preis: Ewiges Gedenken im Volksgedächtnis für die Errichtung einer geistigen Zone um die deutsche Sprache herum zum Schutz vor Wörtern, die die Welt nicht braucht.
Einsendungen hier: brennendebuchstaben@yahoo.de oder einfach die Kommentarfunktion nutzen; dann aber nicht Absender und Kontaktmöglichkeit (z. B. E-Mail) vergessen! Einsendeschluss ist der 30. August 2009. Einsendung mehrer Vorschläge wird akzeptiert. Die Wörter, die am häufigsten genannt werden, siegen. Bitte Namen (auch Nickname möglich) nennen, damit dich Ruhm und Ehre wegen der Errettung der deutschen Sprache … bla bla bla … auch erreichen!
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