Sonntag, 29. Juli 2012

Wenn das Internet voll ist ...


von Zauselina Rieko

Bernd Neumann, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, wirbt auf seiner Internetseite damit, dass sich seine Partei um die neuen Fragen des Urheberrechts kümmere. Eines seiner Hauptanliegen sei es sogar, junge Menschen im bewussten Umgang mit den Medien zu unterstützen. Als er in einem Fernsehinterview gefragt wird, was man denn machen könne, wenn das Internet bald voll sei, zeigt er sich zurückhaltend und verwirrt und ist der Meinung, bestimmt halte Google eine Lösung bereit. Außerdem könnten die Firmen ja Daten auslagern.

Also mein Vorschlag wäre es, alte bulgarische Autobahnen aus kommunistischer Glanzzeit aufzukaufen, zu renovieren und als Datenautobahnen auszubauen, sodann nach Deutschland zu transferieren, wo sie zum Beispiel angelagert an Bibliotheken ein großes Kontingent an Daten aufnehmen könnten.

Würde sich die Lage aber derart zuspitzen, dass gefährliche Pixelmengen aus dem Internet herausquellen würden wegen Überfüllung, dann müssten das Rote Kreuz und die Caritas einspringen, öffentliche Turnhallen und leer gepumpte Schwimmbäder mit Schubladen aus Krisengebieten ausstatten, worin man ungefähr ein Terrabite Daten pro Schublade ablagern könnte.

Aber natürlich kann man nicht nur fragen, was der Staat für uns tun kann. Vielmehr muss sich jeder Einzelne fragen: Was kann ICH für den Staat tun beziehungsweise für das Internet.  Denn wir alle sind aufgerufen, das Internet zu stützen, damit wir unseren Kindern nicht eines Tages eine apokalyptische Welt mit ungeordneten Daten und unzensierten Videos hinterlassen. Blogpostings könnten sofort nach ihrem Erscheinen ausgedruckt und in der privaten Schreibtischschublade abgelegt werden. Dann wird das Internet in Zukunft von weniger Blogeinträgen belastet. Überhaupt sollten weniger Blogpostings im Internet herum schwirren, denn wenn da Hinz und Kunz was ins Internet schreiben kann – wer schützt dann am Ende die großen Parteien vor zu viel öffentlicher Meinung? Das geht doch so nicht weiter!

Aber einstweilen können wir uns beruhigt zurück lehnen. Denn so lange unser Internet von Herrschaften wie dem Herrn Neumann beschützt wird, kann uns nichts passieren. Da sitzt einer im Ministerium, der sich auskennt! Pixel sei dank.
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